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Ein Reisender aus dem muslimischen Andalusien – 973

Im Jahr 973 trifft ein Reisender aus dem muslimischen Andalusien am Hofe von Otto I. dem römisch-deutschen Kaiser, in Merseburg ein. 

Es handelt sich um Ibrahim ibn Yakub al Israili at-Tartuschi. Über Ibrahim selbst wissen wir leider wenig, sein Titel “At-Tartuschi” deutet auf seine Herkunft aus dem andalusischen Tortosa, sein Titel “al Israili” auf seine jüdische Herkunft.  

Ibrahim bereist seit 965 das Frankenreich im Auftrag des Kalifen Hakam II. . Die Beschreibung seiner Reise ist im Original wohl nicht mehr erhalten, Auszüge finden sich aber in zahlreichen Werken arabischer Gelehrter.  

Ibrahim benötigt 8 Jahre, bis er am Hofe des Kaisers eintrifft. Dies mag daran liegen, dass sich Otto I. zwischen 966 und Ende 972 in Italien aufhält.  

Er nutzt diese “Wartezeit” jedoch für ausgiebige Reisen. Er scheint auf der Hinreise zunächst auf dem Seeweg unterwegs zu sein und hält sich lange in der Stadt Haithabu “der reichsten Stadt des Nordens” in Schleswig auf. 

Er berichtet von religiösen Festen und Tieropfern. Christen sind laut Ibrahim noch in der Minderheit, die Mehrheit bezeichnet er als “Sirius-Anbeter”, womit wohl die Anhänger nordischer Kulte gemeint sind.  

Er berichtet von der Praxis Säuglinge zu ertränken, wenn man befürchtet sie nicht ernähren zu können. Frauen scheinen eine starke Position zu haben, so können sie sich, schreibt er, auf eigene Initiative scheiden lassen.  

Alles in allem macht die Stadt keinen sehr großen Eindruck auf Ihn, vor allem im Vergleich zu den Städten seiner Heimat. Haithabu hatte damals lediglich 1000 Einwohner. 

So schreibt er: “Die Stadt ist gering an Gütern und Segen. Ihr Hauptessen besteht aus Fisch, denn er ist dort zahlreich vorhanden.” 

Nach seinem Besuch des Kaiserhofs und dem Überbringen zahlreicher Geschenke des Kalifen macht er sich auf den Rückweg. Er reist über Soest, Paderborn, Fulda und Mainz. 

Er staunt, als er in Mainz am RIn auf dem Markt Gewürze findet, die aus dem “fernsten Morgenland” kommen. Er findet beispielsweise Pfeffer, Ingwer, Nelken, Galgantwurzel. 

Auch Münzen mit arabischer Prägung sind dort im Umlauf. Es handelt sich um Münzen des Samaniden Nassr Ibn Ahmed aus Samarkand, die das Datum 301 und 302 der Hidschra (922 christl. Zeitrechnung) tragen.  

Der Bericht von Ibrahim at-Tartuschi ist somit ein Beleg für den regen Austausch von Waren aus dem Fernen und Nahen Osten mit deutschen Gebieten.  

Die von den Karolingern begonnenen diplomatischen Beziehungen zu muslimischen Herrschern scheint auch unter den Ottonen fortgesetzt worden sein.  

 

Zum Weiterlesen:

Jacob, Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert, Quellen zur deutschen Volkskunde 1, Berlin 1927. Im Internet unter: https://warburg.sas.ac.uk/pdf/nde5b2287023.pdf  

 Hunke, Sigrid, Allahs Sonne über dem Abendland, Stuttgart 1967 

 Weblinks: 

https://wiki.uni-konstanz.de/transmed-de/index.php?title=1258-1283:_al-Qazw%C4%ABn%C4%AB_berichtet_aus_dem_Irak_%C3%BCber_Schleswig_bzw._Haithabu&mobileaction=toggle_view_mobile